Entdecke das Vermögen, das versteckt in der Unternehmenskultur liegt

Wer Ergebnisse sehen will, dem muss der Weg dahin klar sein. Einige Dinge sind einfach. Zum Beispiel einen Antrag in einem Amt stellen. Meist gibt es ein Formular, das eigene Strategien erübrigt. In der Unternehmensführung sind solche einfachen Wege kaum möglich. Kein Wunder, denn es spielen einfach zu viele Faktoren eine Rolle:

  • die Kunden,
  • die Qualität des Produkts,
  • die Lieferzeiten,
  • der Preis,
  • die Mitarbeiter und Kooperationspartner.

Die Liste ließe sich weiterführen.

Doch woran kaum jemand denkt: Sie, der Inhaber oder die Inhaberin sind der Hauptfaktor für die Ergebnisse Ihres Unternehmens. Als Mensch, mit Ihren spezifischen Ecken und Kanten.

Selbstreflexion ist Ihr Grundstein

Wie Sie sind, welche Komponenten Ihre Persönlichkeit beinhaltet, spielt keine große Rolle. Wichtig ist allein, dass sie sich genau kennen.

Nicht nur Ihre Ziele und was Sie wollen,

  • sondern auch Ihre Motivation dafür,
  • auch Ihre Zweifel und Selbstzweifel,
  • Ihre inneren Widersprüche,
  • was Sie freundlich stimmt und
  • was ärgerlich,
  • wie zufrieden Sie privat sind,
  • was Ihre Leidenschaften sind und
  • wie sie zum Unternehmen passen oder nicht,
  • ob Sie oft (miss)verstanden werden,
  • was Sie empfinden, wenn Sie morgens ins Geschäft kommen.

Glauben Sie nur nicht, dass dies alles nur Sie etwas angeht!

Denn Sie drücken das aus. Alles! Und es kommt an, bei allen, die mit Ihrem Unternehmen zu tun haben. Und das ist gut so. Das müssen Sie nutzen.

Zeigen Sie Ihre Art zu sein offensiv. Wenn Sie morgens gut gelaunt ankommen, zeigen Sie es. Haben Sie Zweifel, besprechen Sie sie mit einem kompetenten Vertrauten. Leben Sie Ihre Leidenschaften dort, wo ihr Platz ist. Werden Sie missverstanden? Dann finden Sie heraus, wie Sie sich verständlich machen können. Sind Sie ärgerlich, so finden Sie Ihren Weg, den Ärger zu lösen.

Mit sich auf diese Weise im Klaren zu sein – nicht Gutmensch, sondern so wie Sie sind – ist wichtig, weil Sie wirken. Und das dauerhaft. Womit wir bei der Unternehmenskultur sind, dem „Archiv“ Ihrer Persönlichkeit.

Wie die Unternehmenskultur „Sie“ archiviert

Die Unternehmenskultur ist so etwas wie die graue Eminenz im Unternehmen. Dominant und wenig fassbar.

Was ist die Unternehmenskultur?

Damit man effektiv arbeiten kann, erfindet man nicht jeden Tag aufs Neue, wie und wann man den Computer hochfährt, Emails checkt, am Produkt arbeitet, telefoniert oder Kaffee holt, mit den Kollegen, den Mitarbeitern oder dem Chef redet und wie man das macht. Sondern die Beschäftigten finden den besten Arbeitsablauf heraus und machen eine Routine daraus. Das tun Sie auch als Alleinunternehmer.

Als Unternehmer/in lenken Sie die Gewohnheiten, auch wenn Sie nicht darüber nachdenken. Machen Sie sich das bewusst. Denn die Beteiligten orientieren sich an Ihnen – positiv wie negativ.

Den Routinen zu folgen, stärkt das Zugehörigkeitsgefühl. Man fühlt sich in der Gemeinschaft, die sich um die Arbeitsroutinen bildet, wohl.

Hinzu kommen Überzeugungen wie: „Wir sind hier wie eine Familie“ oder: „die Zusammenarbeit klappt toll, aber nach Feierabend bin ich privat ohne Wenn und Aber“. Wenn’s schief läuft, entsteht Widerstand, mit Folgen für die Produktivität. Wie dieser: „Lohnt die Anstrengung nicht, wenn nur Kritik kommt“.

Wie die Arbeitsräume eingerichtet sind, zeigt dem Besucher, wie das Unternehmen „tickt“.

  • Kaffeebecher und Blumen auf dem Schreibtisch oder
  • alles clean,
  • Postkarten aus dem Urlaub an der Pinwand,
  • Großraumbüro, Einzelbüros oder Homeoffice
  • Stempeluhr.

Wieviel menschliche Bedürfnisse sind im Arbeitsprozess zugelassen? Wie ist es um das Vertrauen zu den Mitarbeitern bestellt? Und um das der Kollegen untereinander oder dem Chef gegenüber?

Alle Routinen, Gewohnheiten, Überzeugungen, dauerhafte Frustrationen, Mythen über das Unternehmen und die Bedeutung einzelner Vorgänge „verewigt“ die Unternehmenskultur.

Man könnte meinen, sie handle autonom, indem sie ihr Archiv anlegt, das allerdings nicht brav im Keller schlummert. Vielmehr mischt es sich ein, sobald eine Routine, eine Überzeugung, kurz: irgendetwas im Archiv angegriffen wird.

Das passiert immer bei Veränderungen. Deshalb gelingen sie so schwer.

Dieses Eigenleben der Unternehmenskultur ist der Grund, weshalb Sie ganz bewusst Lenkung zeigen müssen: Damit sie mitspielt auf dem Weg zu Ihren Zielen.

Wie Unternehmer Sven* über Umwege zur Kollaboration mit seiner Unternehmenskultur kam

Neulich bei einem Kaffee erzählte mir Sven, wie es dazu kam, dass er nochmal ganz von Neuem begann.

Als er vor 10 Jahren sein Unternehmen gründete, war sein wichtigstes Ziel: ein großes Unternehmen mit hohem Umsatz. In seiner Branche ist ein Geschäft mit 11 Mitarbeitern ein großes.

Nach acht Jahren war es soweit. 11 fest angestellte Mitarbeiter, ein ordentlicher Umsatz. Trotzdem war Sven unzufrieden. Bis er schließlich keine Lust mehr hatte, ins Geschäft zu gehen. Die Mitarbeiter nervten ihn, schon wenn er sie nur sah. Zu Hause schnauzte er seine Frau und sogar seine Kinder an – ohne Grund.

Eines Tages erkannte er: „So geht es nicht mehr weiter! Warum bin ich unzufrieden, warum mache ich andere unglücklich, wenn ich doch erreicht habe, was ich wollte?“

Dann fand er es heraus. Sein Alltag bestand fast nur aus bürokratischen Arbeiten. Gehaltsabrechnungen. Steuerbelege sammeln. Versicherungen. Vertragsverlängerungen. Konsultationen seines Anwalts wegen Verträgen und Außenständen.

Das Schlimmste aber war – und das fiel ihm erst jetzt auf -, dass sämtliche Mitarbeiter mehr verdienten als er. Aber nicht die Verantwortung für Aufträge trugen, sich nicht mit der Bürokratie herumschlagen mussten und pünktlich Feierabend machten.

Sven war neidisch auf seine eigenen Mitarbeiter.

Sven’s Kurswechsel

Auf keinen Fall wollte er so weitermachen.

Sven wäre nicht Sven, wenn er nicht die radikale Lösung bevorzugt hätte: Er gab das Unternehmen auf. Nachdem auch seine Beschäftigten die Übernahme abgelehnt hatten, wickelte er es ab. Eine andere Möglichkeit gab es für ihn nicht

In den Folgemonaten reifte der Gedanke in ihm, dass es nicht sein Angebot und nicht die Branche war, die ihn so unzufrieden gemacht hatte. Sven gestand sich ein, dass er es falsch angepackt hatte.

  • Er liebte den Kontakt mit den Kunden. Ausgerechnet die hatte er aber seinen Mitarbeitern überlassen.
  • Er liebte es auch, ein angenehmes Einkommen zu haben. Das hatte er an die Mitarbeiter weitergeben müssen.
  • Er liebte es – und das stellte sich als sein Fehler heraus, ein großes Unternehmen zu haben.

Wie er jetzt begriff, liebte er es ganz und gar nicht, ein großes Unternehmen zu führen. Haben wollte er es immer noch, aber ohne die Konsequenzen, die er nun kannte.

Sven fing nochmal von vorne an. Ein kleines Unternehmen, nur er. Sein Angebot an die Kunden: seine Lieblingstätigkeiten. Konsequent empfahl er seinen Kunden Kollegen für all die Dienstleistungen, die er nicht mochte.

Sven gewann in kurzer Zeit den Ruf des gesuchten Experten.

Er ist sein eigener Herr, teilt sich seine Zeit, die Aufgaben und das Budget selbst ein. Und ist so richtig froh über seine radikale Entscheidung.

Fazit

Sven’s Geschichte zeigt, wie leicht man sein Ziel aus den Augen verliert, wenn man nicht gleich bei Gründung klärt, welche Art von Unternehmen zu den persönlichen Zielen am besten passt.

Selbstverständlich muss man nicht immer neu beginnen, wenn „unterwegs“ Widersprüche auftauchen. Die meisten lassen sich lösen. Sven’s radikale Lösung war seine persönliche. Sie passte zu ihm.

Allerdings müssen Sie Ausdauer für die Erneuerung einiger Archivinhalte Ihrer Unternehmenskultur einkalkulieren.

*Name geändert

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