7 wenig gelebte Ressourcen, um erfolgreich zu führen

Als Führungskraft kennen Sie das. Man kümmert sich um einen Kunden … und verbaselt darüber, die angemahnten Unterlagen um 12:00 Uhr zum Steuerberater zu schicken. Dabei müsste man sie zuvor noch überprüfen. Und um 13:00 Uhr das Gespräch mit dem Kooperationspartner über unnötige Differenzen. Herrje, kann nicht mal etwas glatt laufen?!

Geschäftsführung ist irrsinnig komplex. Man muss an tausend Dinge gleichzeitig denken – so scheint es. Ratgeber zum Thema gibt es wie Heringe im Schwarm.

  • Mach dir eine Prioritätenliste.
  • Lege dir einen Zeitplan an.
  • Schaffe Ordnung an deinem Arbeitsplatz.
  • Gebe Aufgaben an Dienstleister oder Führungskräfte ab.
  • Sortiere Unwichtiges weg.
  • Verstehe deine Mitarbeiter*innen.
  • Lerne vor allem Kommunikation und Softskills.

Das kennt man. Alles.

Den meisten helfen diese Ratschläge nicht.

Denn der Tag hat nur 24 Stunden.

Jeder Tag hat nur 24 Stunden.

24 Stunden reichen nicht aus für all die Aufgaben eines Managers.

Dazu kommt: In 24 Stunden bringt viel Unvorhergesehenes Ihre Planung durcheinander.

Wie letztes Jahr, nachdem Henry, ein Unternehmensberater, die prima Idee hatte, einen Bürodienstleister zu engagieren. So konnte er alle Anrufe im festgelegten Zeitfenster erledigen und in der übrigen Zeit endlich die wirklich wichtigen Dinge tun: Vorträge und Projekte konzipieren, das neue Sachbuch entwerfen, sich selbst beraten lassen. Dachte er. Doch machte er die Rechnung ohne diejenigen, auf die er sein Geschäft gründete.

Eine E-Mail vom Bürodienstleister mit der Bitte um sofortigen Rückruf der Nummer 1234. Sein Lieblingskunde beschwerte sich: Was ist denn das für eine affektierte Bürokraft, die du neuerdings hast? Die ist viel zu cool und blasiert. Da mag man ja gar nicht mehr anrufen. Zwei Tage später meldete sich sein Verleger: So geht das nicht! Wenn ich mir vorstelle, deine Leser rufen dich an und hören dieses bescheuerte Nachhallen vom Callcenter. Grauenvoll. Sinkende Auflage. Leser wollen dich persönlich. Und nicht diese standardisierten Ansagen aus Wer-weiß-woher.

Nach dem dritten ungehaltenen Anruf kündigte Henry den Bürodienst. Jetzt nimmt er wieder jeden Anruf selbst an. Und verliert Zeit für andere wichtige Dinge.

Was passieren kann, wenn wir Prioritäten setzen: Wir kreieren eine nicht-optimale Rangfolge. Weil wir zu leicht das Wesentliche vergessen.

Wenn Sie eine Tätigkeit privilegieren, behandeln Sie im Gegenzug eine andere auf Sparflamme.

Anders geht es nicht.

Einflüsse aufs Unternehmen

Was ein Unternehmen und seine Abläufe beeinflusst, zeigt Ihnen die Infografik.

Der Clou ist, dass Komplexität jedes Unternehmen betrifft, ganz egal wie groß oder klein es ist. Prüfen Sie doch mal, was davon n i c h t auf Ihr Unternehmen oder Ihren Führungsbereich zutrifft.

Einflüsse aufs Unternehmen

 

Mit diesen 7 Ressourcen meistern Sie Komplexität

Als Führungskraft müssen Sie auf Kurs halten. Nicht einfach, wenn sich neue Anforderungen und Bedürfnisse von Mitarbeitern oder Geschäftspartnern die Klinke in die Hand geben. Diese 7 Ressourcen unterstützen sie dabei, sicher durch stürmische See zu segeln.

1. Ressource: Filtern

Gehen Sie einmal durch den Ort, in dem Sie wohnen. Was fällt Ihnen auf?

Ich habe es selbst ausprobiert. Die auffällig dekorierten Schaufenster fielen mir sofort ins Auge. Im Ohr kamen Hupkonzerte an. Und in der Nase kalter Rauch und übertriebene Parfümwolken. Ich lebe zwar in der Großstadt. Doch konnte das nicht alles sein.

Als ich mich stärker konzentrierte,

  • hörte ich Amseln singen. Zwei, um genau zu sein.
  • Aus der Bäckerei stahl sich Kaffee- und Honigduft in meine Nase.
  • An der Baumscheibe roch ich den Hund von morgens noch.
  • Dazwischen Kinderlachen und -weinen.
  • Ein Mann schnauzte einen Radfahrer auf dem Gehweg an.
  • Eine junge Frau lachte in ihr Smartphone.

Wenn Sie noch einmal durch Ihre Straße gehen und sich konzentrieren, was bemerken Sie?

Wer sein Sinne schärft, den springt das komplexe Hier und Jetzt an!

Übertragen auf Ihr Unternehmen, dürfen Sie nicht bei der Konzentration auf sämtliche Details stehen bleiben. Denn dann würde Ihre Entscheidungskompetenz schrumpfen. Gehen Sie einen Schritt weiter und filtern Sie.

Das sind Sie gewohnt. Sie filtern intuitiv seit jeher. Ihr Bauchgefühl brieft Ihr Gehirn, ohne dass Sie es bemerken. Aber dient Ihr gewohnter Filter Ihren geschäftlichen Zielen?

Nicht unbedingt; deshalb brauchen Sie die folgenden Ressourcen zusätzlich.

2. Ressource: Notwendige Kompetenzen nachhaltig fördern

Ich kenne beispielsweise etliche Unternehmer, die ihre Kompetenz heimlich anzweifeln. Dabei haben sie Ihr Unternehmen fulminant an den Markt gebracht. Oft seit vielen Jahren. Dennoch glauben Sie, nicht gut genug zu sein.

Bis zu einem gewissen Grad fürchten wir das fast alle.

Allerdings darf diese Selbstunsicherheit nicht dazu führen, nach dem Prinzip „viel hilft viel“ ständig Fortbildungen zu machen. Und dem Personal Trainings nach dem Gießkannenprinzip zu gewähren. Mit andern Worten: eine Wissensblase zu fabrizieren.

Neigen Sie dazu?

Dann hören Sie bitte auf damit! Und beantworten Sie sich diese Fragen:

  • Welche Kompetenzen brauchen Sie für Ihren Führungsbereich wirklich?
  • Wer im Unternehmen verfügt über diese Fähigkeiten?
  • Mit welchen Maßnahmen können Sie diese gezielt stärken oder „einkaufen“?

Fördern Sie nur die Kompetenzen, die Sie brauchen – das aber nachhaltig.

3. Ressource: Gezielte Faulheit

Faulheit ist verpönt. Das ist ein Hauptgrund, warum in deutschen Unternehmen viel Zeit mit unnützer Arbeit vertan wird. Und warum Leistung oft immer noch an Anwesenheit vermessen wird, statt am Ergebnis.

Kein Unternehmen kann sich das leisten. Denn der Umsatz steigt nicht durch Anwesenheitszeiten, sondern durch Dienstleistung und Verkauf.

Deshalb sind Sie gut beraten,

  • wenn Sie „nur“ die Unternehmensziele verfolgen,
  • wenn Sie Ihre Entscheidungen und Handlungen ganz darauf zuspitzen,
  • wenn Sie sich nicht in das einmischen, was außerhalb Ihrer Ziele passiert,
  • wenn Sie gezielte Faulheit als Unternehmenstool einsetzen und
  • dadurch Zeit gewinnen.

Auf diese Weise reduzieren Sie nicht nur unnötigen Stress, sondern Sie vereinfachen das Arbeitssystem, nehmen eigenen Stress und den der Mitarbeiter*innen weg und pushen die Produktivität.

4. Ressource: Innehalten bei neuen Projekten

Neue Projekte verlangen Fingerspitzengefühl. Sie müssen passen:

  • zur anvisierten Veränderung,
  • zu den Zielen Ihres Geschäftsbereichs,
  • zur Arbeitskultur und den Menschen im Unternehmen.

Deshalb sollten Sie bei Veränderungsplänen innehalten und überlegen, was das Wesentliche des Neuen ist und wie und auf welchem Weg es Ihrem Unternehmen nützt.

Besonders dann, wenn die Auftragslage schlecht ist, neigen man leicht zu überstürztem Handeln. Denken Sie nur an den Zickzack-Kurs von Karstadt.

Nehmen Sie sich die Zeit, zuallererst das Wesentliche für die vorgesehene Veränderung herauszufinden.

5. Ressource: Perfektionismus konsequent abschaffen

Inhaber Sven ist unzufrieden, eigentlich permanent. Nichts erscheint ihm richtig, was sein Geschäftspartner Dirk tut. Die Assistentin ist zu langsam und macht Fehler.

Svens bissige Bemerkungen und Ausraster haben Dirk bewogen, von zu Hause aus zu arbeiten. Er hat jetzt ein schönes Home Office und betreut nebenbei die Zweijährige, weshalb seine Frau wieder ganztägig arbeiten kann.

Die Assistentin ist immer öfter krank geschrieben. Im Büro erstarrt sie, wenn Sven den Raum betritt. Je ungehaltener er sich zeigt, desto mehr Fehler unterlaufen ihr.

Das Geschäft geht zurück, obwohl die Werbebranche insgesamt zulegt. Sven realisiert nicht, wie unwohl die Kunden sich fühlen, wenn sie die miese Stimmung bemerken.

Machen Sie es anders als Sven.

  • Legen Sie den Perfektionismus ad acta.
  • Bestimmen Sie eine realistische, dem Bedarf angemessene Qualität.
  • Korrigieren Sie Fehler, statt sie zu sanktionieren.

Geschäfte basieren zum großen Teil auf Emotionen, nicht auf geschliffener Perfektion.

6. Ressource: Auf Lösungen konzentrieren

In vielen Unternehmen drehen sich Meetings, Verhandlungen und Teeküchengespräche um Probleme. Es wird geklagt, dass man weglaufen möchte.

  • Folgen Sie diesem zunehmendem Trend nicht.
  • Nehmen Sie Schwierigkeiten als Aufgabe an.
  • Konzentrieren Sie sich auf Lösungen.

Richten Sie Ihren Blick auf die Zukunft: Wie lösen wir diese Aufgabe, damit zukünftig … ?

7. Ressource: Nicht benötigte Hilfsmittel abschaffen

Einen Freiraum schaffen Sie, indem Sie Ihre (digitalen) Hilfsmittel auf das Notwendige reduzieren.

Überlegen Sie, was Sie wirklich brauchen. Schaffen Sie alles andere ab.

  • Welche vorhandene Software nutzen Sie nicht? Welche brauchen Sie?
  • Benötigen Sie den exklusiven Wartebereich, wenn Sie ausschließlich terminierte Gespräche führen?
  • Sind 10 Stühle am Konferenztisch sinnvoll, wenn sich nie mehr als fünf Personen dort treffen.
  • Wird der Kicker oder das Ergometer im Freizeitraum genutzt?
  • Haben die gesunden Snacks aus Mandeln, Sesam und Rosinen ihr Verfallsdatum überschritten, weil Schokolade beliebter ist?

Fazit

So einfach gestalten Sie den gezielten Umgang mit Komplexität, wenn Sie auf Ihre Unternehmensziele verengen. Indem Sie filtern, ausschließlich notwendige Kompetenzen nachhaltig fördern, „Faulheit“ als Perspektivewechsel nutzen, bei neuen Projekten innehalten und die Folgen bedenken, Perfektionismus verbannen, auf Lösungen fokussieren und unnötige Hilfsmittel abschaffen.


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