5 Gründe, warum Selbständige öfter NEIN sagen sollten

Als SelbständigeR brauchen Sie Selbstvertrauen. Das, glaube ich, kann jeder unterschreiben. Auch dass Selbständige öfter mal NEIN sagen müssen, wird auf breite Zustimmung treffen. Warum geraten so viele Unternehmer trotzdem in die Nicht-Abgrenzungs-Falle?

Das hat verständliche Ursachen, die – das wissen wir seit Sigmund Freud – in der Kindheit ihren Anfang nehmen. Damals erfuhr man, dass Nein-sagen unangenehme Folgen nach sich zieht.

Auch Erwachsene erleben, wie Freunde sich abwenden, wenn sie deren Auffassungen widersprechen. Wobei, Freunde …?

Fast jeder hat Angst vor Zurückweisung.

Das macht vorsichtig. Oft bis zur Anpassung an andere. Denn wie Hirnforschung und Psychologie belegen, wollen wir Menschen vor allem gemocht und anerkannt werden. Wir mögen es, wenn man uns sympathisch findet.

Diese Suche nach dem Glück im Anderen belebt derzeit das Geschäft der Positiven Psychologie auch in der Wirtschaft.

Tatsächlich werden viele deshalb selbständig:

  • Sein „Ding“ machen,
  • erfolgreich aus eigener Kraft sein,
  • sich nicht dreinreden lassen müssen.

Kurz: Glück bedeutet für die meisten eine unabhängige Existenz. Wer das anstrebt, muss NEIN sagen können, damit fängt ein Unternehmen schließlich an.

Denn jedeR Selbständige hat mindestens einmal NEIN gesagt, nämlich zur abgesicherten Existenz des Angestellten. Und er hat wenigstens einmal JA gesagt, zur unsicheren Existenz des Selbständig-Seins.

Das Bewusstsein, dass zur Unternehmensführung NEIN genauso gehört wie JA, schrumpft jedoch, wenn man

  • sein inneres authentisches NEIN missachtet,
  • häufig JA sagt, ohne es zu meinen oder
  • sich indifferent gibt und wegduckt.

Doch sehen wir uns die Gründe, die für ein NEIN des Selbständigen sprechen, einmal genauer an.

Sie sollten öfter NEIN sagen, damit Sie 1. als Persönlichkeit erkennbar werden

Sie sind SelbständigeR oder Freiberufler. Ganz egal, wie groß oder klein Ihr Geschäft ist, Ihre Persönlichkeit wirkt sich darauf aus.

Das bedeutet: Wenn Sie sich indifferent verhalten, einen „Bauchladen“ anbieten oder Kunden Angebote außerhalb Ihres Profils machen, werden sich potenzielle Kunden ebenfalls indifferent verhalten. Also nicht kaufen.

Haben Sie Mitarbeiter und sind Sie ihnen, angenommen, gegenüber zu oft bejahend, werden diese mit der Zeit unsicher und lassen die Produktivität schleifen. Warum? Weil Sie Ihr JA häufig zurücknehmen müssen. Das wirkt demotivierend.

Sie werden auf solche Weise nicht als verlässlich erkennbar. Und Ihr Unternehmen und Angebot leider auch nicht. Ihre Marke würde gar nicht erst bekannt.

Kunden vertrauen Menschen. Und dieses Vertrauen brauchen Selbständige, um zu verkaufen.

Ein Unternehmen als solches ist zu abstrakt, um Vertrauen zu begründen. Das geschieht erst nach längerer Prüfzeit und bei großen Marken. Die, wen wundert es, auf die Gründer zurückweisen. Solche, die erkennbar sind, sich auch mit ihrem NEIN zeigen.

Das ist gemeint, wenn von erfolgreichen Unternehmern gesagt wird, sie hätten Ecken und Kanten.

So bleibt 2. Ihr NEIN und JA authentisch

Es gibt Menschen, die gewohnheitsmäßig meistens NEIN sagen, sogenannte Nein-Sager. Das ist genauso fatal wie gewohnheitsmäßig JA zu sagen. Sogar noch schlimmer.

Denn sie weisen andere zu oft zurück. Macht man das mit Kunden, gehen sie woanders kaufen. Weil Zurückweisung unangenehme Gefühle auslöst. Und sie sagen es womöglich weiter, was der Marke des Nein-Sagers schadet.

Mitarbeiter reagieren übrigens mit Dienst nach Vorschrift, innerer Kündigung, Fehlzeiten und Mobbing. Schlechte Stimmung und sinkender Umsatz sind die Folgen. Das kann kein Unternehmer wollen. Deswegen:

Ihr JA wie Ihr NEIN müssen authentisch sein. Kunden und Mitarbeiter merken das nicht nur, sie honorieren das auch.

Sie sollten öfter NEIN sagen, damit Sie 3. Ihre Ziele im Auge behalten

Authentisch wirken Sie, wenn die Ziele Ihres Unternehmens auch Ihre persönlichen Ziele sind. Und wenn Sie diese Übereinstimmung ausdrücken. Zum Beispiel, indem Sie zu allem, was Ihren Zielen entgegensteht, NEIN sagen. Die Voraussetzung dafür ist, dass Sie sich über Ihre Ziele klar sind.

Ändert sich jedoch etwas im Markt oder wird das Personal knapp, müssen auch Sie etwas ändern.

Sagen Sie NEIN zur bloßen Anpassung an neue Bedingungen!

Damit Sie Ihren Kundenstamm, Ihre Beschäftigten oder auch sich selbst nicht in überflüssige Unsicherheit stürzen, dürfen Sie Ihre Veränderungen nicht nur an die veränderten Bedingungen anpassen. Fragen Sie sich in solch kritischen Situationen:

  • Welche internen Veränderungen werden sowohl zu den neuen Bedingungen als auch zu meinen Absichten passen?

Bestimmt bekommen Sie hin und wieder verlockende Angebote zur Kooperation oder für ein Ehrenamt. Oder für einen großen Auftrag, der die weitere Entwicklung Ihres Geschäfts für eine bestimmte Zeit auf Eis legen würde.

Sagen Sie NEIN dazu, wenn Sie dafür Ihr Geschäft und dessen angemessene Führung vernachlässigen müssten.

Fühlen Sie sich in einem solchen Fall so sehr verlockt, dass Sie versucht sind, Ihr Geschäftsziel zurückzustecken, beantworten Sie sich folgende Fragen:

  • Stimmen meine Ziele noch?
  • Haben wir Probleme, denen ich mich nicht stellen mag?
  • Was vermisse ich?

Suchen Sie nach einer ehrlichen Antwort für Ihre innere Bereitschaft, Ihre Ziele zu vernachlässigen oder zu verändern.

Sie sollten öfter NEIN sagen, damit 4. Ihre Marke glaubhaft für Sie arbeitet

Ohne klares NEIN kann keine Marke bestehen.

Überlegen Sie mal, wäre Coca Cola so groß geworden, wenn die Firma gleichzeitig Fruchtsäfte, Tee und neue Kartoffeln unter diesem Label verkauft hätte?

Sagen Sie NEIN zum Bauchladen. Denn als solcher kommt ein großes Angebot an, selbst wenn in jedem Detail beeindruckendes Knowhow steckt.

Sie mögen als SelbständigeR viel mehr können, als Ihr Angebot vermuten lässt. Und es mag verführerisch sein, alles Können und Wissen in verschiedene Angebote zu packen. Tun Sie’s nicht.

Sagen Sie auch NEIN zum Verwässern Ihrer Standards!

Nehmen Sie Burger King. Die Firma hätte in Deutschland immer noch einen guten Ruf, wenn sie nicht ihren eigenen Hygienestandard ruiniert hätte. Und wenn ihre Personalpolitik nicht zum Skandal getaugt hätte.

Jedes Unternehmen durchlebt kritische Zeiten. Veränderungen muss man dann vornehmen, keine Frage. Doch gerade in einer solch bedrohlichen Situation muss man den Markenkern schützen.

Sie sollten öfter NEIN sagen, damit Sie 5. Ihre Arbeitskultur unterstützt

Dabei hilft die Arbeitskultur. Sie widerstrebt Veränderungen, ganz besonders dann, wenn bisherige Standards und Ziele aufgegeben werden sollen.

Deshalb ist es klug, dem Widerstand bei Veränderungen Rechnung zu tragen.

Das bedeutet, dass man sich mit ihm auseinandersetzt.

  • Wie zeigt oder äußert sich Unmut?
  • Wogegen richtet er sich genau?
  • Was ist an diesem Punkt zu tun?

Veränderungen sind unbequem, weil sie neue Routinen erfordern. Die kosten Zeit, bis sie funktionieren. Frustration durch Versuch und Irrtum inklusive.

Sagen Sie NEIN zum bequemen Festhalten am Gewohnten. Sagen Sie JA zum Durchhalten und Durchkämpfen. Und reden Sie darüber, mit KollegInnen, MitarbeiterInnen und KundInnen. Nehmen Sie alle Beteiligten mit in den Prozess.

So kreieren Sie Gemeinschaftsgefühl nach dem Motto „Wir schaffen es zusammen“. Das wandert ins „Archiv“ Ihrer Arbeitskultur und kommt bei der nächsten Veränderung garantiert positiv in Erinnerung.

Fazit

Fazit

Persönlichkeit, Geschäft und Marke sind eng miteinander verbunden.

Vom Zusammenspiel dieser drei hängt der Erfolg ab. In erster Linie davon, dass Sie einheitliche und klare Botschaften geben. Nach außen zu den Kunden wie nach innen ins Unternehmen hinein.

Zur Klarheit gehört die Abgrenzung, das NEIN zu allem, was nicht zum Konzept und zu Ihnen passt, was die Ziele missachtet und die Erkennbarkeit des Angebots trübt.

Aber genauso gehört das JA dazu. JA zu den Zielen. JA zur Problemlösung. JA zum Dranbleiben in schwierigen Situationen. JA zum Erfolg.


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