3 Mythen, denen Selbständige nicht in die Falle gehen dürfen

Um erfolgreiche Unternehmer ranken sich Mythen, die Selbständige und Freiberufler zu Träumen von Macht und Reichtum verführen. Solche Träume sind nicht weiter schlimm; die hat jeder mal. Aber wer sie mit falschen Vorstellungen, zu Zielen verbindet, hat sein Scheitern schon programmiert.

„Jeder kann reich werden; ein wenig Glück und Genialität – und es geschieht das Wunder.“ Die Geschichte vom Tellerwäscher, der Millionär wurde.

Die modernen Vorbilder waren nie Tellerwäscher. Die bekannte Variante heißt Garage. Berühmte Milliardäre begannen mit nichts in einer Garage. Und das stimmt, einige begannen ihren Aufstieg so – wobei, an Aufstieg war damals noch nicht zu denken.

Beispiele

  • Bill Gates hat im zarten Alter von 19 Jahren mit seinem Schulfreund Paul Allen in einer Garage (sic!) Microsoft gegründet.
  • Steve Jobs gründete 1976 Apple. Er war 21. Ihr Startkapital soll ein Taschenrechner und ein VW-Bully gewesen sein.
  • Larry Page lernte Sergej Wozniak auf der Elite-Uni Stanford in Kalifornien kennen. Gemeinsam entwickelten sie ihre Suchmaschine fürs Internet und gründeten Google. Der Erfolg ließ auf sich warten. Doch sie blieben zäh dran, mit riesigem Erfolg, wie jeder weiß.

Das Wachstum dieser drei Unternehmen war keine Zauberei. Drei Dinge führten dazu:

  1. Leidenschaft und Wille, die Zukunft mitzugestalten.
  2. Persönlichkeiten, die sich und ihrer Vision treu blieben.
  3. Ihre Offenheit für Kooperation und Partnerschaft.

Sie suchten keine Fee, die ihnen die drei Wünsche erfüllte. Sie waren keine Träumer, sondern gingen planvoll vor. Sie verstanden es, ihre Visionen von der digitalen Zukunft in Produkte zu verwandeln. Das allein war harte Arbeit. Doch nützen Produkte nichts, wenn sie nicht gekauft werden. Das haben sie bedacht und weltweit Bedürfnis nach digitalem Leben und Arbeiten geweckt.

Unternehmens-Wirklichkeit

Viele mögen von großem Reichtum träumen – die Realität sieht hierzulande anders aus. Einige Zahlen, um auf den Teppich zu kommen:

  • Knapp 4 Millionen Betriebe gibt es in Deutschland.
  • Davon sind rund 96% Kleinstbetriebe = Selbständige, Einzelunternehmer und Unternehmen mit weniger als 10 Mitarbeitern sowie Kleinbetriebe = weniger als 50 Mitarbeiter.
  • Nur ungefähr 19.000 Unternehmen beschäftigen mehr als 250 Mitarbeiter.
  • Bloß 15.000 Betriebe erwirtschaften mehr als 50 Millionen Euro Umsatz.
  • Fazit: Selbständige, Kleinst- und Kleinbetriebe sind das wirtschaftliche Rückgrat Deutschlands.

Auf die Frage, die sich an dieser Stelle stets stellt – warum kümmert sich die Politik so wenig um die Selbständigen? – interessiert in diesem Beitrag nicht vorrangig.

Nur soviel: Die Fokussierung von Politik und Presse auf die Großen der Wirtschaft bewirkt und verstärkt die Mythenbildung um das Unternehmertum. Weil diese Mythen dadurch lebendig bleiben und unrealistische Vorstellungen fördern, befassen wir uns im Folgenden genauer damit.

3 Mythen

1. Mythos: Selbständige und Unternehmer brauchen besondere Eigenschaften

Das ist Unsinn. Dennoch verbreiten Gründungsberater, Firmen und Medien gerne diese Auffassung. Worum geht es im Einzelnen?

365.000.000 Einträge zeigte mir Google zum Stichwort „Eigenschaften von Unternehmern“; Selbständige und Freiberufler zähle ich dazu. Bei Durchsicht der Einträge auf der ersten Seite fand ich folgende Stichworte:

Besonderer Menschenschlag, Leidenschaft und Mut, Kreativität, positive Grundhaltung, Ausdauer, hohe Risikobereitschaft, detailorientiert, fähig zur Vernetzung, gute Kommunikation, Fachkompetenz, lebenslanges Lernen, Grenzen richtig einschätzen, sorgt für vertrauensvolle Zusammenarbeit in Teams, visionäre Fähigkeit, chancenorientiert, entscheidungsstark.

Ich war ratlos. Was ist „ein besonderer Menschenschlag“? Nochmal nachgelesen, Ergebnis: Im Großen und Ganzen verbinden die oben genannten Eigenschaften alle Unternehmer und Selbständigen zu diesem besonderen Menschenschlag. Sehr allgemein!

Das Gros der Eigenschaften brauchen Menschen in nahezu jedem Job. Okay, visionäre Fähigkeiten nicht unbedingt. Doch die brauchen Selbständige und Unternehmer auch nicht.

Was bedeuten diese Aufzählungen, wenn sie als Begründung für die Besonderheit der – alles andere als homogenen – Spezies Selbständige, Kleinstunternehmer und Unternehmer herhalten?

Die Wirklichkeit

Es handelt sich um ein fixiertes, aber falsches Menschenbild. Eine Art Typ, der grundsätzlich solche Merkmale unveränderlich in sich trägt. Und zwar sichtbar, abrufbar.

Richtig ist: Fast alle Menschen können diese und andere Kompetenzen entfalten. Einfach, weil die Potenziale dafür vorhanden sind. Die Hirnforschung hat es bewiesen.

So, das wäre geklärt. Und warum werden nicht alle Potenzialbesitzer Unternehmer? Das wiederum hängt mit unseren Möglichkeiten zusammen. Damit, dass

  • jede/r Vorlieben hat, was er oder sie arbeiten möchte,
  • viele Sicherheit wollen und Beamte werden,
  • Kreative einen Platz für ihre Kreativität suchen – und nicht die Herausforderung,
  • manche das Unternehmertum für unmoralisch halten – Vorwurf der Bereicherung,
  • etliche ihre Visionen lieber in NGO’s verwirklichen.

Wir Menschen sind verschieden und entscheiden uns für den eigenen Lebensweg.

2. Mythos: Seine Ideen muss man der Konkurrenz verheimlichen

Nachahmer gibt es wie Sand am Meer. Leute

  • ohne eigene Ideen,
  • die glauben, weil jemand mit einem Projekt Erfolg hat, wird es für sie genauso gut laufen,
  • die sich die Selbständigkeit nicht zutrauen,
  • die sich nicht anstrengen wollen,
  • deren Abstaube-Taktik bisher erfolgreich war.

Diese Gründe treffen auf nicht wenige zu.

Nehmen wir an, Sie haben ein hochwertiges, marktfähiges Produkt und ein innovatives Unternehmenskonzept. Es wäre sehr ärgerlich, wenn damit ein anderer sein Unternehmen begründet und womöglich das Produkt nicht nur kopiert, sondern verbessert.

Wettbewerb ist eine Tatsache. Da hilft nur, schneller und besser zu sein. Oder den Newcomer aufzukaufen. Denn in Deutschland haben wir, rechtlich gesehen, Nachahmerfreiheit.

Zwei Möglichkeiten bieten Schutz.

  1. Sie lassen Ihre Marke oder Ihr Produkt vom Patentamt schützen.
  2. Sie entwickeln und pflegen Ihre Marke so effektiv, dass sie Nachahmer hinter sich lässt.

Wer großen Erfolg hat, sollte Nachahmer fürchten. Denn diese stehen in den Startlöchern, fertig zum Angriff.

Wie bei Red Bull, Energy Drink. Zeitweilig versuchten mehr als 130 Nachahmer, die Firma von ihrer Spitzenposition zu vertreiben. Red Bull ist der Erste in seiner Getränkenische geblieben. Dank seiner konsequenten Strategie, eine stimmige und klare Marke zu prägen und zu pflegen.

Die Wirklichkeit

Maßnahmen, seine Produkte zu verstecken, funktionieren nicht, noch sind sie sinnvoll. Das hat Gründe.

  1. Wer nachmachen will, findet Wege, Rezeptur und Konzept zu kopieren.
  2. Wer seine Produkte versteckt, kann nicht für sie werben, sie folglich nicht verkaufen.
  3. Gerade als SelbständigeR braucht man Vernetzung, Austausch und Partnerschaften.

Zeigt sich der Erfolg, spricht er sich herum. Das ist der Zeitpunkt, an dem man sich dringend um Schutz kümmern muss. Und zwar offensiv; stärken und klären Sie Ihre Marke. Mit anderen Worten:

Nehmen Sie die Herausforderung an, zeigen Sie Ihre Konkurrenzfähigkeit!

3. Mythos: Als Unternehmer muss man die Zukunft berechnen

Die Wettervorhersage von gestern morgen war bis heute Mittag korrekt. Damit hat sie das Alleinstellungsmerkmal „zutreffend“ erreicht. Das Wetter lässt sich nicht langfristig vorhersagen. Trotz raffinierter Technik sind 10 Tage das Maximum.

Wie das Wetter, so sorgt auch die Zukunft der Unternehmen für Überraschungen. Alle Vorhersagen beruhen auf Vergangenem. Die Zukunft hält sich nicht daran. Besonders alte Betriebe, denen es lange gut ging, glauben oft, dass es immer so weitergeht. Dass dieser Irrtum Folgen haben wird, lässt sich problemlos vorhersagen.

Doch wonach richten Sie sich, wenn Sie Ihr Unternehmen in die Zukunft führen wollen? Zeitungsberichte über diese und jene Trends? Kristallkugel? Nein!

Die Wirklichkeit

Nicht einmal seriöse Zukunftsforschung bietet sichere Prognosen. Das liegt daran, dass Entwicklungen nicht linear verlaufen, sondern paradox. Wie aus heiterem Himmel gibt es einen Knick, und die Trends laufen in eine völlig andere Richtung.

Wie der Knick in den Anfängen der Digitalisierung. Zu Beginn der 1980er Jahre befürchtete man große Probleme für den Arbeitsmarkt. Weil die neuen PCs viele Arbeiten erledigen würden, für die bis dahin Personal nötig war. Natürlich gab es Einbrüche in der Beschäftigung. Auch Unternehmen wurden insolvent, konnten sich nicht anpassen.

Das digitalisierte Denken und Arbeiten verlangt Kompetenzen, die damals kaum jemand besaß.

Jetzt stellen Sie sich vor, der digitale Trend bekommt einen Knick. Möglich ist es. Anzeichen gibt es:

  • Unternehmen schalten ihren Mitarbeitern in der Freizeit den E-Mail-Zugang ab.
  • Online-Netzwerke treffen sich offline.
  • 2014 ermittelte das Allensbacher Institut, dass große Teile der Bevölkerung der zunehmenden Digitalisierung skeptisch gegenüber stehen.

Die Suche nach einem neuen Umgang mit der digitalen Welt hat begonnen. Das lässt sich voraussehen: Es wird ein neues Gleichgewicht zwischen digitalem und Vorort-Leben und Arbeiten geben.

Wie diese Anpassung, diese neue Welt aussehen wird? Gestalten wir sie doch gemeinsam!

 

Fazit

Fazit

  1. Als Als SelbständigeR können Sie auf sich vertrauen. Ihre Persönlichkeit trägt alles Potenzial, das Sie benötigen, in sich.
  2. Ihre Produkte und Dienstleitstungen müssen Sie schützen, wenn Sie erfolgreich damit sind. Am wirksamsten mit einer klaren, starken Marke. Zeigen Sie sich wettbewerbsfreudig.
  3. Die Zukunft kann plötzlich an die Tür klopfen. Bleiben Sie offen dafür. Stellen Sie lineare Zukunftsprognosen in Frage und stemmen Sie sich nicht gegen Veränderungen.

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